5 Star Album Review in German Publication

 5 Star Album Review. Photo by Brendan Klem

5 Star Album Review. Photo by Brendan Klem

Review from Vinyl-Fan.de

Du liebst Stimmen wie die von Norah Jones oder Ricky Lee Jones? Dann hör dir diese kanadische Sängerin an: Ellen Doty - du wirst sie lieben! „Come Fall" ist erst ihr zweites Album, sie hat also noch ihre Karriere vor sich. Zur Freude der Fans audiophiler Klänge: diese LP ist auch hochwertig aufgenommen. Die Rezension der Vinyl-Ausgabe.

ELLEN DOTY - COME FALL (LP, VINYL)
Ellen Doty - eine Stimme zum Niederknien. Selbst im unüberschaubaren Popmarkt von heute ist so etwas selten. Sanft, weich, ausdrucksstark - mit Gänsehaut-Garantie. Die oben erwähnte Assoziation zu Norah Jones oder Ricky Lee Jones ist nicht überzogen. Zudem passt es hier ganz prima, dass wir zu ihrem Gesang auch ein Piano hören, das einzige verwendete Instrument neben dem Schlagzeug bei dieser Einspielung. Also ohne Bass, ohne Synthesizer, ohne Sound-Manipulationen, keine Bläser oder Streicher - schlichte Songs also, voller Magie. So etwas haben wir auch schon bei Norah Jones gehört und geliebt.

 COME FALL - ZWÖLF POP-PERLEN
Ellen Doty-Come Fall VinylDass die junge Sängerin schon in ihrer Kindheit bei verschiedenen Musik-Kontests Erfolge feierte, verwundert wenig. Mit Fünf sang Ellen Doty bei einem Talentwettbewerb „Can You Feel The Love Tonight" (König der Löwen), später gewann sie beim Lionel Hampton Jazz Festival als „Outstanding Soloist". Für Grammy-Gewinner Gregory Porter trat sie als Support auf, ihr Debütalbum „Gold" (2014) erreichte in Kanada obere Charts-Positionen. Dass die junge Frau nun ihr zweites Werk ohne große Instrumentierung einspielte, war eine ausgezeichnete Idee. Auf diese Weise kommt das gesamte Volumen der Stimme perfekt zum Ausdruck.

Dabei schien es zum Anfang der Produktion erst mal anders. Man spielte die Sessions zu fünft. Doch es hörte sich für Ellen nicht gut an. Das also war es nicht. Ellen setzte sich mit Schlagzeuger Davide Di Renzo, der auch gleichzeitig als Produzent fungierte, und Mark Lalama, dem Pianisten zusammen. Die ersten Takes dieses Trios sorgten nun für den richtigen Kick, die Gänsehaut-Momente entstanden! Der Gesang wirkte wie befreit und konnte sich nun vollends entfalten. Für mich ein weiteres Mal ein Zeichen dafür, dass manche Musiker in größeren Besetzungen möglicherweise gut funktionieren, ihre wahre Qualitäten aber nicht ausschöpfen können. Bei Ellen war es zum Glück anders gelaufen und das sorgt dafür, dass wir nun heute eine Perle der Songwriter-Musik erleben dürfen.

Ellen Doty Foto Brendan KlemBestechend an ihren Gesang ist die Gleichmäßigkeit in ihrer Stimme, eine entrückte Klarheit bei gleichzeitiger Sanftheit. Kein Bruch, kein Zittern, keine Tonhöhenschwankungen - selten, dass man dies mit einer derartigen Perfektion hört. Eine andere Besonderheit, die zu dieser Einspielung führte, ist die Kollaboration im Songwriting. Hier stellte Ellen fest, dass sie die gemeinsame Arbeit befreite. Mit Co-Autoren wie Justin Rutledge, Andy Stochansky u.a. gelang es ihr, auch persönliche Momente in ihren Songs auszudrücken - etwas, das ihr anfangs alleine schwer fiel. Ohne Zweifel hat dieses gemeinsame Wirken die Inspiration aller Beteiligten gefördert, mit dem Ergebnis wunderbar berührender Melodien.

Die zwölf Kompositionen sind nicht nur Ausdruck intimer Blicke auf ihr Leben, sondern auch auf die musikalischen Einflüsse. Von ihrer Großmutter und dem Vater hat sie den Jazz mitbekommen, man hört aber auch Soul und natürlich die ganze Welt der Popmusik in ihren Kompositionen. Das variiert von Song zu Song, kleine Rhythmus-Änderungen hier, neue Arrangements da, schon kommen andere Elemente zu tragen als im Stück zuvor. Und dies geschieht so elegant, dass der Gesamtcharakter der Platte keinen Bruch erleidet. Eine Sache sticht dennoch hervor: zwei berührende Duette mit ebenfalls klasse Männerstimmen: in „Favourite Sweater" hören wir Danny Vacon und Scott MacKay in „Dreams You Don't Remember". Wenn Ellen mit dem jeweiligen Partner im Gleichtakt singt, dann sind das schon ausserordentliche Momente!

Das Ganze wurde von Juno-Award Gewinner-Toningieur John "Beetle" Bailey eingefangen, aufgenommen im Sumbler House in Fenwick Nähe Toronto (Kanada). Gefertigt wurde die Schallplatte bei Precision Record Pressing, welche die gleichen neuen Pressmaschinen wie GZ Media verwenden. Die Qualität ist erfreulich gut, was bei den ruhigen Songs dieser Platte sicherlich von Vorteil ist. Eine Plattenwäsche empfehle ich dennoch, wie eigentlich bei jeder LP.

Man möge meiner Begeisterung für diese Platte mit natürlicher Skepsis begegnen, das ist ok. Ich verspreche trotzdem, dass „Come Fall" eine absolute Bereicherung für Fans von Norah Jones, Ricky Lee Jones oder Melodie Gardot darstellt. Schallplatten wie „Come Away With Me" oder „Pirates" bekommen nun einen gleichwertigen Nachfolger!